Von Bucht zu Bucht

Winterbier-Verkostung

Winterbier-Verkostung

Weihnachten steht vor der Tür und draußen wird es bannig kalt. Viele freuen sich jetzt auf einen Glühwein, doch das süße Gesöff ist nicht jedermanns Sache. Obendrein muss man sich den gewürzten Wein dieser Tage auch noch selbst Zuhause warm machen und irgendwie schmeckt das dann auch nicht so gut wie auf dem Weihnachtsmarkt. Zum Glück gibt es eine leckere Alternative: den Winterbock!

Dieses starke und meist dunkle Bier wird von den Brauern nur für die Wintersaison gebraut. Drei dieser Biere haben wir uns vorgenommen und verköstigt. Dabei haben wir Brauereien ausgewählt, deren Biere nicht unbedingt in jedem Supermarkt zu finden, aber mindestens regional in Schleswig-Holstein bekannt sind. Bevor wir uns dem Probieren widmen, blicken wir auf die Geschichte des Bockbieres und was es mit dem Winterbock auf sich hat.


Geschichte des Bockbieres

Das vielleicht beste, wohl aber berühmteste Bier des Mittelalters wurde in der beschaulichen Stadt Einbeck gebraut. Es war derart beliebt, dass es ins ganze Reich bis nach Dänemark, Königsberg und Amsterdam exportiert wurde.

Um es für diese langen Reisen haltbar zu machen, wurde es besonders stark eingebraut. Die ungewöhnlich hohe Stammwürze sorgte zum einen für eine gewisse Süße, zum anderen aber für einen relativ hohen Alkoholgehalt.

Letzteres war das wichtigste Qualitätsmerkmal der mittelalterlichen Biere und machte das Ainpökische noch beliebter.

Den Wittelsbacher Herzögen in München muss es besonders gut geschmeckt haben, denn nachdem sie viele Jahre das Luxusgut aus dem heutigen Niedersachen importiert hatten, bauten sie das Hofbräuhaus und versuchten sich selbst am Brauen. Scheinbar gelang es ihnen jedoch nicht wirklich ein Bier herzustellen, das sich mit dem Einbecker Original messen konnte.

1614 konnte Herzog Maximilian von Bayern den Braumeister Elias Pichler aus Einbeck nach München holen. Von nun an wurde Einpökisch Bier gebraut, welches in Münchner Mundart erst zu Oanpock und dann zum besagten Bockbier wurde. Mit dem Ziegenbock hat der Name also nichts zu tun, auch wenn er gerne seinen Platz auf den Etiketten der Bockbiere findet.


Was ist ein Winterbock?

Es handelt sich hier im Grunde um einen sogenannten Doppelbock, also ein noch kräftigeres, meist dunkles Bier von malzigem Charakter im Gegensatz zum etwas leichteren und meist hellen Maibock.

Traditionell beginnen die Brauer im Herbst diese saisonale Spezialität für die kalte Jahreszeit zu brauen, von denen wir uns die folgenden drei zum Testen vorgenommen haben:

  • Winterbock – Beer Brauerei (Schillsdorf, Kreis Plön)
  • Weihnachtsbock – Ricklinger Landbrauerei (Rickling, Kreis Segeberg)
  • Winterbock – Czernys Küstenbrauerei (Kiel)

Für den Abschluss haben wir noch ein wirklich weihnachtliches Bier probiert: Das Lebkuchenbier UrOma Lene von der Mashsee Brauerei.

Dazu aber später mehr. Beginnen wir endlich mit der Verkostung.


Winterbock – Beer Brauerei

Das Bier kommt mit einer wundervollen Kastanienfarbe ins Glas, mehr rot als braun leuchtet es klar im Glas. Schaum gibt es so gut wie gar keinen, auch der Kohlensäuregehalt ist sehr niedrig.

Es duftet nach getrockneten Früchten, insbesondere süßen Pflaumen und dem Geruch von Lebkuchenteig.

Die getrockneten Früchte trifft man zwar auch im Geschmack wieder an, doch nach dem kräftigen Aroma hätte man mehr erwartet.  Das Bier ist sehr süß und mild, die 7,0 % vol. schmeckt man kaum, während der Malzgeschmack dominant hervortritt, der ein wenig an lang gekautes Graubrot erinnert. So ist der Winterbock leider etwas flach und wenig aufregend, dafür rund und süffig trotz des relativ hohen Alkoholgehalts.
Das Bier bekommt daher von uns 6 von 10 Punkten.

Winterbock (9,06€/Liter) – Beer Brauerei

Stammwürze: 16,9% / IBU: 16 Bittereinheiten / Alkohol (vol. %): 7,0


Weihnachtsbock – Ricklinger Landbrauerei

Der Doppelbock aus Rickling überrascht mit seiner Farbe. Werden tiefbraune bis schwarze Töne angekündigt, kommt das Weihnachtsbier aber dann sehr hell mit leichten Trübstoffen daher. Der wenige Schaum ist schnell verschwunden.

In die Nase strömen nur wenige Aromen von Zitrusfrüchten und sehr schwach und diffus von getrocknetem Obst. Der Geschmack ist dann ähnlich enttäuschend, süß und malzig ohne Aufregung, die leichte Bitterkeit hingegen wird regelrecht unangenehm, wenn man das Bier länger im Mund behält. Der Nachgeschmack hält sehr lange an und erinnert an alten Kaffeefilter.

In Anbetracht dessen, was sonst so auf dem Markt ist, bekommt es von uns immerhin noch 3 von 10 Punkten. Ich muss allerdings die Anmerkung machen, dass mir das Bier insgesamt seltsam vorkommt. Die Ricklinger Landbrauerei hat im Laufe des Jahres sechs verschiedene Böcke im Sortiment, was wohl so etwas wie ihr Aushängeschild darstellt.

Nach kurzer Recherche ist die helle Farbe sehr irritierend, in den Vorjahren war sie stets sehr dunkel und konnte die Kunden mit kräftigem und gutem Geschmack überzeugen. Was in diesem Jahr schief gelaufen ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Wir werden der Landbrauerei definitiv noch eine Chance geben und in Zukunft noch das ein oder andere Bier von ihnen hier vorstellen.


Weihnachtsbock (Preis: 3,60€/Liter) – Brauerei: Ricklinger Landbrauerei

Stammwürze: 18,5% / IBU: 35 Bittereinheiten / Alkohol (vol. %): 7,0


Winterbock – Czernys Küstenbrauerei

Der Kieler Bier steht kupferfarben und klar im Glas. Es ist mehr braun als rot und hat oben auf eine schöne Schaumkrone, die nach ein wenig Zeit aber auch verfliegt.

Die Geruchsaromen sind leicht aber komplex. Sehr angenehm riecht man Zitrusfrüchte und sanfte Malzaromen.

Während bei der Beer Brauerei der Geruch falsche Erwartungen erweckte, ist hier das Gegenteil der Fall. Komplexe Geschmäcker von tropischen Früchten, Rosinen, Nüssen und Kaffee werden von kräftiger Würzigkeit geleitet. Im Nachgeschmack kommt dann Schokolade auf die Zunge und rundet das Bier ab. Ein sehr ausgewogener Bock, der gerade gegenüber seinen beiden Konkurrenten sehr positiv hervorsticht.

Er bekommt dafür von uns 8 von 10 Punkten und wir können uns das Bier sehr gut auch zu jeglichen Weihnachtsspeisen vorstellen.


Winterbock (Preis: 10,58€/Liter) – Czernys Küstenbrauerei

Alkohol (vol. %): 7 (andere Daten werden von der Brauerei nicht genau angegeben)

Ur Oma Lene von der Mashsee Brauerei

Das letzte Bier in der Runde fällt nicht nur mit seinem Stil aus der Reihe, sondern auch durch die geographische Lage der Brauerei Mashsee. Wie der Name schon verrät liegt sie in Hannover in der Nähe ihres Namensgebers. Weil es sich aber wirklich um eine besondere Spezialität handelt, wollten wir euch dieses Bier nicht vorenthalten.

Die Brauerei arbeite mit Lenchen zusammen, die exquisite Lebkuchen herstellen und für die Gewürze in der Ur Oma Lene zuständig sind. Moment, Gewürze?

Ja, nach bayrischem Reinheitsgebot wurde hier nicht gebraut, und das ist auch gut so. Neben den üblichen Zutaten Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe haben die Brauer noch Kakaonibs, Zimt, Fenchel, Anis, Koriander, Ingwer, Nelken, Sternanis, Piment, Muskat und Kardamom in den Sud gegeben, also all das, was wir sonst in den Lebkuchenteig tun.


Wie schmeckt das Lebkuchenbier?

Die braune Farbe, unterstützt durch die Trübheit erinnert bereits an Lebkuchen. Der Schaum ist von kurzer Dauer und bräunlich golden gefärbt.

Bereits beim Öffnen der Flasche ist einem der Intensive Geruch in die Nase gestiegen. Es riecht nach Lebkuchen. Dadurch, dass Nelke und Zimt jedoch stark im Aroma hervorstechen kommt einem direkt die Assoziation zu Glühwein.

Der Geschmack ist dann ebenfalls überwältigend und eben der von – Lebkuchen! Im Antrunk ist das etwas irritierend auf der Zunge, entwickelt dann aber eine sehr angenehme Gefälligkeit. Durch die geballten Gewürzaromen ist von Malz oder Hopfen, also dem Bier selbst, außer ausgeprägter Süße und leichter Bittere kaum etwas zu schmecken oder zumindest schwer zu differenzieren. Auch die Kakaonibs, die immerhin an dritter Stelle der Zutatenliste stehen, kommen nicht zur Geltung. Das macht aber nichts, denn das Lebkuchenbier ist wirklich gut und die süße des Malzes harmoniert hervorragend mit den Gewürzen.

Es bekommt von uns 8 von 10 möglichen Punkten. Es ist die vielleicht beste Glühweinalternative und schmeckt sicherlich gut zum Enten- oder Gänsebraten.

Der Meinung sind leider viele Bierkenner und daher ist Ur Oma Lene schnell vergriffen. Wer es bekommen kann, sollte den etwas höheren Preis von ca. 3,79 € nicht scheuen und sich etwas Besonderes zu Weihnachten gönnen.

Ur Oma Lene (Preis: 11,48€/Liter) – Brauerei Mashsee

Stammwürze: 17,5 °P / IBU: 14 Bittereinheiten / Alkohol (vol. %): 6,6


Resümee

Es muss bei allen vier Bieren beachtet werden, dass sie gegenüber einem klassischen Pils oder Lager einen erhöhten Alkoholgehalt haben, den man nicht unterschätzen darf. Wer lieber herbe Biere trinkt, wird mit einem Bockbier oder gar dem Lebkuchenbier nicht glücklich werden. Für alle anderen kann der Glühwein im Keller bleiben, es gibt eine gute Alternative.

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