Kolumne

Welch wundervolle Zeit

Päckchen sind heutzutage ein Glücksspiel. Wer weiß das nicht!?
Welch wundervolle Zeit

Und jetzt, da ja gefühlt bald wieder Weihnachten ist, weil ja immer eigentlich wieder Weihnachten ist, ist ein kleines Wunder geschehen – auch und vor allem weil Weihnachten ja die Zeit der Wunder ist natürlich: Ich habe Post von der Post bekommen. Ein Paket wurde wiedergefunden, heißt es in dem Brief. Und weiter sinngemäß: Es wurde beschädigt. Der Inhalt fehle leider. Komplett. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Kundenservice. Was die Sache interessant macht: Ich hatte es vor über sechs Jahren an einen guten Freund geschickt. 

Und in dieser Kolumne hatte ich tatsächlich schon einmal von genau diesem Päckchen erzählt, auch weil ich darin lauter kleine Kostbarkeiten gelegt hatte, die ich nicht mehr brauchte, die aber einen gewissen Wert hatten und im Internet sicher Höchstpreise erzielt hätten. Wie zum Beispiel das noch originalverpackte goldene Lametta aus dem Jahr 1982. Es war ein richtig gutes Lametta. Es hatte feine Fäden, die trotzdem schwer genug waren, um auch wirklich hängen zu bleiben. Oder die stark verstaubte Kassette mit Polkamusik aus dem Jahr 1986. Oder auch eine Dose Labskaus aus dem Vorratskeller meiner Eltern – das Mindesthaltbarkeitsdatum war abgelaufen, als es im Fernsehen noch drei Programme und Sendeschluss gab. Und sogar einen langen Zopf, den ich mir viele Jahre zuvor abgeschnitten und in eine Schublade gelegt und vergessen hatte, packte ich in den Karton. 

Und dann brachte ich das Paket kurz vor Weihnachten zur Post – und es kam nie an. Es verschwand. Bis heute. All die Jahre hatte ich niemanden fragen können, wo Lametta und Labskaus geblieben waren und was der- oder diejenige, der oder die das Päckchen öffnete, wohl dachte, als er oder sie meine Haare sah. Also fragte ich mich selber, ob sich der- oder diejenige vielleicht auch ein wenig gewundert oder sogar geärgert hatte, da ich ja auch 500 Lose für den Jahrmarkt beigelegt hatte – alles Nieten übrigens. Und natürlich fragte ich mich, ob so etwas häufiger vorkommt bei der Post. Muss man doch, oder was meinen Sie?

Nun aber, welch Wunder, ist immerhin der leere Karton wieder da. Wo der wohl die ganze Zeit gelegen hatte? Ich frage mich, wen ich das eigentlich mal fragen könnte.

Oliver Lück, 49, ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. www.lueckundlocke.de

Weiterlesen