Kolumne

Vor die Hunde

Heute möchte ich mich dem wirklich Wichtigen widmen: den Hundehaufen.
Vor die Hunde

Heute möchte ich mich dem wirklich Wichtigen widmen: den Hundehaufen. Denn wer Großes bewirken will, muss im Kleinen anfangen – das wissen wir ja alle. Genauer gesagt soll es hier aber gar nicht um die elendigen Tretminen gehen, sondern um ihre Verpackung. Sie wissen schon: die Hunde-Kot-Beutel. Gerade erst ist einer dieser Hundekotbeutelspender in unserer Straße aufgestellt worden. Und nun liegen immer mehr verpackte Würste im Knick oder hängen am Wegesrand in Büschen oder Bäumen. So manches Herrchen oder Frauchen entsorgt die warmen Pakete nämlich nicht Zuhause im Müll, sondern gleich vor Ort. Im Angesicht der verpackten Tretminen frage ich mich nun: Wie kommt man auf so eine Idee? Ist das Bequemlichkeit? Ist das Gleichgültigkeit? Oder steckt gar eine geheime Botschaft des Protests hinter diesen Aktionen?

Hunde können Menschen zu Tieren machen. Das weiß ich längst. Das beobachte ich jeden Tag auf den Hundeautobahnen dieser Welt. Warum es aber Menschen gibt, die Scheiße in Plastik wickeln und in die Natur schmeißen, bleibt eines der größten Rätsel. Denn es ist ja so: Hätten die HundehalterInnen den Haufen gar nicht erst verpackt und verknotet, sondern einfach liegenlassen, wäre es umweltfreundlicher gewesen.

Im Supermarkt gelten Plastiktüten ja inzwischen als Symbol totaler Ignoranz. Wer seine Einkäufe in Zeiten von steigenden Meeresspiegeln und Suppenhühnchen zu 1,99 Euro noch immer in Plastik nach Hause trägt, gilt als Umweltschwein. Nicht so aber, wenn die Fischgrätsohle erst einmal im Kot steht, dann wird die Rettung der Welt ganz schnell zweitrangig. So hat sich der Kacksack für den besten Freund des Menschen zum Sinnbild für größtmöglichen Respekt entwickelt. Und noch mehr: Der Hundekotplastikbeutel gilt als zeitgemäßer Beitrag für ein zivilisiertes und engagiertes Miteinander. Kaum beginnt der Hund zu kacken, wedelt Herrchen oder Frauchen auch schon die meist schwarze Knistertüte aus der Jackentasche. „Ach, guck mal: Da sammelt jemand den Dreck seines Tieres auf. Hier ist die Welt aber noch echt in Ordnung!“

Ist sie aber nicht, die Welt. Sie geht gerade vor die Hunde. Und Zahlen lügen ja bekanntlich nie, nie, nie: Bei neun Millionen deutschen Hunden, die zweimal am Tag ihr Geschäft verrichten, sind das 18 Millionen Tüten. Macht pro Jahr: Sechsmilliardenfünfhundertsiebzigmillionen Hunde-Kot-Beutel, die ja vor allem reißfest und daher mit einem hohen Plastikanteil produziert werden müssen. Und wenn man der Hundekotbeutelindustrie glauben soll, gibt es leider leider auch so gar keine Alternative – wobei es diese vermutlich schon gäbe, diese aber wohl einfach nur zu teuer und daher zu wenig gewinnbringend wäre. Lügen und auch Hunde haben ja bekanntlich kurze Beine. Und wo wir schon beim wirklich Wichtigen sind: Haben Sie eigentlich einen Hund?

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