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Smart-City-Index: Wie „smart“ sind Schleswig-Holsteins Großstädte?

Für die Bewertung des digitalen Fortschritts einer Stadt wurden die Bereiche Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft untersucht.
Smart-City-Index: Wie „smart“ sind Schleswig-Holsteins Großstädte?

Diese Frage versucht der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) auf der Grundlage von 38 Indikatoren zu beantworten.

Für die Bewertung des digitalen Fortschritts einer Stadt wurden die Bereiche Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft untersucht.

Wie gut ist die Stadtverwaltung digitalisiert? Gibt es online-Terminvergaben? Wie informativ ist die Webseite der Stadt und gibt es eine Stadt-App?

Gibt es Breitband- oder Glasfaseranbindung für die Bewohner der Stadt? Gibt es „intelligente“ Straßenbeleuchtungen und „intelligente“ Mülleimer? Gibt es Smart Culture, also Augmented Reality oder Virtual Reality Apps oder 360° Stadttouren?

Quelle: Smart City Index 2020: Wie digital sind Deutschlands Städte? (S. 7)

Kiel und Lübeck nur „mittelmäßig smart“

Hamburg belegt erneut den Spitzenplatz des Rankings, gefolgt von München und Köln. Lübeck liegt im oberen Mittelfeld und hat sich zum Vorjahr stark verbessert:

„Lübeck ist der größte Aufsteiger des diesjährigen Rankings und verbessert sich um 29 Plätze.“ berichtet Bitkom.

Die Gründe dafür: Eine neue, deutlich benutzerfreundlichere Webseite sei einer, genauso wie die „Integration von Baustelleninformationen in die City-App“.

Außerdem solle innerhalb des Projekts Baltic Future Port der Lübecker Hafen mit 5G, mit autonomen Unterwasserfahrzeugen und mit Drohnen für die Zukunft fit gemacht werden.


Wie smart ist Bitkom?

Nach dem Lesen der Zusammenfassung der Studie bleiben viele Fragen. Die Bewertungskriterien wirken checklistenartig und wenig ganzheitlich. Etwas so komplexes wie die digitale Vernetzung und den digitalen Fortschritt einer ganzen Stadt und für ganz verschiedene wirtschaftliche und politische Bereiche auf ein Punktesystem von 1 bis 100 herunter zu brechen überzeugt wenig. Der zugrunde gelegte Smart-City-Begriff hat mehr Ähnlichkeit mit Stadtmarketing als mit Wissenschaft.
Selbstverständlich haben die größeren Städte in absoluten Zahlen mehr innovative Apps und Projekte. Darüber wie neue Technologien genutzt und wie damit umgegangen wird, sagt dies wenig aus.

Wenn man sich mit dem Herausgeber der Studie beschäftigt, stößt man schnell auf den Big Brother Award.

Der Bielefelder Verein digitalcourage e.V. vergibt diesen Negativpreis jährlich an Personen oder Organisationen, die in ganz besonderer Weise die Privatsphäre von Personen beeinträchtigt oder Dritten persönliche Daten zugänglich gemacht haben.


Scharfe Kritik von Laudatorin Rena Tangens

„Der IT-Branchenverband erhält diesen BigBrotherAward für sein unkritisches Promoten von Big Data, seine penetrante Lobbyarbeit gegen Datenschutz und weil er de facto eine Tarnorganisation großer US-Konzerne ist, die bei Bitkom das Sagen haben.
Bitkom – wer ist das überhaupt, was machen die? Hier im Stakkato: Bitkom ist der IT-Branchenverband in Deutschland, wurde 1999 gegründet, hat rund 1.600 Mitglieder, veranstaltet den jährlichen „IT-Gipfel“ mit der Bundesregierung (der ab 2017 als „Digital-Gipfel“ firmiert), macht Studien, wird von der Bundesregierung immer gefragt, wenn „irgendwas mit Computern“ zur Debatte steht und hat beste Beziehungen zur Politik.“
Der BigBrotherAward 2017 in der Kategorie Wirtschaft, Abgerufen am 4. Juli 2019 von https://bigbrotherawards.de/2017/wirtschaft-bitkom

Computersysteme sind unheimlich schnell, doch auch im Jahre 2020 sind sie nur so „smart“ wie die Menschen, die sie einsetzen. Oft sind es kleine Änderungen, die viel bewirken, zum Beispiel ein besseres Benutzererlebis (User-Experience) oder leichteren, inklusiven Zugang zu digitalen Informationen in mehreren Sprachen.

Artikelbild © Nico Meier

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