Von Bucht zu Bucht

S-Bahn-Linie: Stormarn wird groß …

… es bekommt seine S-Bahn.
S-Bahn-Linie: Stormarn wird groß …
Artikelbild: Schipp, schipp hurra! Der symbolische Spatenstich am 10. Mai in Hamburg Hasselbrook mit (v.l.n.r.) Ministerpräsident Daniel Günther, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, DB-Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla und Bürgermeister Peter Tschentscher.


Die neue S4 nach Ahrensburg und Oldesloe nützt logischerweise dem Kreis, dem Klima – und noch ein paar anderen, auf die man nicht sofort kommt.

In Hamburg-Hasselbrook warf Andreas Scheuer am 10. Mai symbolisch mit etwas Kies. Maskiert und flankiert von den Länderchefs Günther (Schleswig-Holstein) und Tschentscher (Hamburg) lobte der Bundesverkehrsminister sich und sein Ressort, die dem Neubauprojekt S 4 mit 1,6 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Mit dem symbolischen Spatenstich beginnen in Hamburgs Osten die Bauarbeiten an der ersten Hamburger S-Bahn-Linie in den Kreis Stormarn hinein. „Die Zwanzigerjahre sollen das Jahrzehnt der Schiene und der Eisenbahn werden“, hat jemand dem individualmotorisierten CSU-Mann ins Redemanuskript geschrieben.

Der aktuelle Stand der Bauarbeiten. (Quelle: DB)

Tatsächlich ist es natürlich gut, wenn 250.000 Menschen entlang der Bahnmagistrale Hamburg-Lübeck plötzlich häufigere, intelligentere Züge in die Metropole nehmen, die noch dazu mit Ökostrom fahren. „Das ist besser, als wenn die alle ins Auto steigen“, warf Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher ein. „Das schafft auch Platz für Radwege.“ Womit der SPD-Politiker auch schon einen Hinweis darauf gab, dass sich längst nicht nur Bahnpendler aus Hamburgs Osten und dem Kreis Stormarn auf die teure neue S-Bahn freuen. Sondern viele andere auch, wenn die S4 denn 2025/2027 (wer weiß das heute schon genau?) losfährt.


Der Hamburger Hauptbahnhof

Zu viele Züge, zu viele Menschen. Der Dreh- und Angelpunkt der DB in der City ist schon heute überlastet. Die S4 wird helfen, Druck aus diesem Kessel zu nehmen. Erstens kommt die S4 aus Oldesloe und Ahrensburg auf den S-Bahn-Gleisen 1 bis 4 an und schafft Platz auf Fernbahngleisen, wo die Regionalbahn heute noch Station macht. Zweitens reduziert die S4 die Zahl der Aus- und Umsteiger am Hauptbahnhof. Denn die neue Linie führt weiter bis Altona, schafft also umsteigefreie Verbindungen von OD zum Jungfernstieg, zu den Landungsbrücken und zur Reeperbahn. So müssen weniger Ahrensburgerinnen und Ahrensburger am Hauptbahnhof umsteigen.


Dänemark und Schweden

Auch die EU steuert Geld zur S4 bei, und das aus einem triftigen Grund: Denn S-Bahnen, die künftig auf neuen eigenen Gleisen fahren, schaffen auf der bestehenden Strecke Raum für schnelle ICE-Verkehre Richtung Skandinavien. „Bald braucht man auf der Schiene nur noch zweieinhalb Stunden von Hamburg nach Kopenhagen“, schwärmt Tschentscher, denn schließlich zählt die feste Fehmarn-Beltquerung als Herzstück zum Schienenkorridor Skandinavien-Mittelmeer.


Güterverkehr

Bislang rollen Güterzüge nach Skandinavien allesamt über Neumünster und Flensburg. Auch das wird sich mit der kürzeren Strecke über den Fehmarnbelt ändern. Dort wird also in einigen Jahren wesentlich mehr Güterverkehr unterwegs sein. Auch dazu dient die Ausfädelung der S-Bahn auf eine neue Trasse. Anwohner und Graffiti-Sprayer werden sich freuen: Zwischen Hamburg Hasselbrook und Oldesloe entstehen auch 45 Kilometer das Lärmschutzwände. Das sind buchstäblich triste Aussichten für die Fahrgäste – aber endlich ein besserer Nachtschlaf für Menschen links und rechts der Gleise.

Linienverlauf der künftigen S4. (Quelle: DB)


Hier wird die S4 gebaut

An der Karte ist der Linienverlauf der künftigen S4 mit ihren 22 Stationen zu erkennen. Zwischen Altona und Hasselbrook teilt sie sich die bestehende Trasse mit der S1 Wedel-Flughafen/Poppenbüttel. Zwischen Hasselbrook und Ahrensburg baut DB Netz auf 17 Kilometern zwei neue S-Bahngleise und fünf neue S-Bahn-Stationen, von denen allerdings nur eine – Ahrenburg West – an der Kreuzung mit der U-Bahn-Linie 1 auf schleswig-holsteinischem Gebiet liegt.

Von Ahrensburg bis Ahrensburg Gartenholz entsteht noch ein 3 Kilometer neuer eingleisiger Abschnitt, danach wechselt die S-Bahn auf die bestehende Strecke. Von Bargteheide und Ahrensburg soll es einen 20-Minuten-Takt nach Hamburg geben, von Bad Oldesloe einen Stundentakt – also nicht mehr Verbindungen als die heutige Regionalbahn.


Die S4 in Zahlen:

  • 20 Kilometer Neubaustrecke, davon 17 Kilometer zweigleisig
  • 45 Kilometer Lärmschutzwände
  • 32 neue Eisenbahnbrücken (und Beseitigung der meisten Bahnübergänge)
  • 1,8 Milliarden Euro Investition

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