Kolumne

Reden über Regen

Stellen Sie sich mal vor, es würde kein Wetter geben … Unmöglich, oder!?
Reden über Regen

Über was würden wir dann sprechen? Menschen reden ja gerne über das Wetter. Ach was, seit Jahrtausenden ist das Wetter und das Reden darüber ein wesentlicher Teil unseres Lebens. Es ist unser Lebenssinn. Vor allem der Regen hat es uns ganz besonders angetan. Mögen Sie Regen?

Es gibt tatsächlich Tage, an denen man das Gefühl hat, der Regen könnte vielleicht nie wieder aufhören. Wissen Sie, was ich meine? Schwarze Wände aus Wolken ziehen dann auf, als zöge ein Riese einen mächtigen Vorhang zu. Und dann bleibt dieser Vorhang auch erst einmal zu und geht sehr lange nicht mehr auf. Manche sprechen dann von bösem Regen, der nichts anderes im Sinn hat, als nass zu machen. Er fällt in kalten, trächtigen Tropfen. Pausenlos prasselt er wie Kleingeld auf die Straße. Bei uns in Norddeutschland gibt es auch das schöne Wort „Schoosterweer“ – ein Wetter, das die Schuhe so verdirbt, dass man sie zum Schuster bringen muss. 

Ich erinnere ich mich daran, wie ich einmal mit Klaus Fischer zwei Stunden lang Fallrückzieher üben durfte. Ein großer amerikanischer Sportartikelhersteller hatte Journalisten aus Hamburg zu einem Pressekick geladen. Eine Werbeaktion für neue Fußballschuhe. Klaus Fischer, Vize-Weltmeister von 1982 und Fallrückziehergott, fungierte als Stargast. Und dann standen wir auf dem Trainingsplatz des FC St. Pauli. Wind satt. Heftiger Regen von allen Seiten. Und es war nicht irgendein Regenguss, der da runterkam: Wasserfälle stürzten nieder und tobten knöchelhoch um uns herum. Es machte Mühe, überhaupt Luft zu bekommen, da wir uns quasi die ganze Zeit unter Wasser bewegten. Ja, wirklich, genau so war es. Ich schwöre.

Klaus Fischer aber war trotz Regen – oder vielleicht genau deshalb – hochmotiviert. Das war nicht zu überhören. Schweißgetränkt und regennass schrie er uns die ganze Zeit an. „Los, Männer! Jetzt geht`s los! Fallrückzieher!!“ Immer wieder schmiss er sich selber in den Matsch. Immer wieder schrie er „Fallrückzieher!!“ Irgendwann war sein Gesicht schlammverschmiert. Er trug Teile des Rasens mit sich herum. Entweder war er komplett verrückt geworden oder er hatte sehr viel Geld für diesen Auftritt bekommen. Just do it, Klaus!

Alles in allem ein überaus gelungener Nachmittag – wenn man Regen liebt. Und dann war das Training vorbei. Es regnete aber noch Tage weiter. Und nun ist diese Kolumne zu Ende. Wie wird eigentlich das Wetter nächste Woche?

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