Kolumne

Mann mit Bart

Denke ich an Weihnachten, denke ich an Arne. Er lebt auf einer winzigen, entlegenen Insel in Südschweden.
Mann mit Bart

Denke ich an Weihnachten, denke ich an Arne. Er lebt auf einer winzigen, entlegenen Insel in Südschweden. Für eine Buchgeschichte hatte ich ihn einige Male dort besucht. Und wer nach Ungskär kommt, wird an Arne Nordström nicht vorbeikommen. Was vor allem an seiner Statur liegt. Einsneunzig ist er, eher mehr. Seine Gummistiefel haben Größe 47. Und wenn Arne in seinem Fischerboot steht, wirkt es sehr klein, weil er so ein stämmiger Kerl ist. Alles ist gewaltig an diesem Mann. Seine Hände, sein Bauch, sein Appetit. Die buschigen Augenbrauen, der lange, wild und in alle Richtungen wachsende Vollbart, der mal pechschwarz gewesen und bald vollständig ergraut ist. Arne muss schon bärtig auf die Welt gekommen sein. 

Und es wäre untertrieben, zu behaupten, dass er nur eine leichte Ähnlichkeit mit Bud Spencer hätte, dem wuchtigen Italiener und Hau-Drauf-Schauspieler der 70er und 80er Jahre, dem Faustpfand einer ganzen Generation. So wie es Bud Spencer konnte, kann auch Arne seine Augen zu schmalen Schlitzen zusammenkneifen. Und dann sieht er nicht bloß so aus wie der Meister der senkrechten Faustschläge und Doppelbackpfeifen. Dann ist er ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Er könnte sein Sohn sein. Oder sein Double. Oder beides. Noch viel besser aber passt zu Arne, dass er sein eigenes Original ist. Denn jeder Bart ist natürlich nur so eindrucksvoll wie der Mann, der ihn trägt.

Vor allem aber ist Arne natürlich der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Einmal erzählte er mir eine schöne Geschichte: Er hatte die Flaschenpost einer Sechsjährigen aus seinem Fischernetz gezogen. Sie hatte einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschrieben und von einem Segelboot geworfen. Sie wollte eine neue Barbie. Gleich am nächsten Tag fuhr Arne los, kaufte eine Puppe und schickte sie dem Mädchen. Ausgerechnet Arne, der Mann mit dem langen Bart, dem dicken Bauch und der roten Mütze. Und manchmal bekommt er tatsächlich Post, die An den Weihnachtsmann von Ungskär adressiert ist. Mehr steht nicht drauf. Jeder weiß, wer gemeint ist. Und seine Mütze ist so eine Art Markenzeichen. Sie leuchtet als roter Punkt in der Landschaft, wie eine feste Wegmarke für Seeleute. Unübersehbar. 

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