Kolumne

Kuhaltersheim

Ich habe einen Ort besucht, wo Kühe alt werden dürfen.
Kuhaltersheim

Ich habe einen Ort besucht, wo Kühe alt werden dürfen. Weit im Nordwesten, nicht weit von Hamburg, wenige hundert Meter bevor das Meer beginnt, wächst Gras und sonst nicht viel. Der Boden des Wesermarschlandes ist über 1000 Jahre alt und durch die Landwirtschaft längst ausgezehrt. Es sind satte Weiden mit weitem Blick bis zum Horizont, der hier ein mit Gras bewachsener Deich ist. Grüne Wiese, flaches Land – vermutlich ist Butjadingen, die kleine Halbinsel zwischen Wilhelmshaven und Bremerhaven, der schönste Platz, den eine Kuh sich vorstellen kann, um alt zu werden, wenn man sie denn ließe.

Inmitten dieser Flachlandidylle gibt es tatsächlich einen Platz, wo Kühe nicht gemolken und Pferde nicht geritten werden, wo Hühner ihre Eier behalten dürfen und Schweine nicht zu Wurst werden sollen. Anderswo heißen vergleichbare Projekte Gnadenhof. Jan Gerdes und Karin Mück finden Lebenshof schöner. Oder Kuhaltersheim, wie sie selber sagen. Vor 14 Jahren haben sie die „Stiftung für Tierschutz“ gegründet. Und auf ihrem Hof Butenland leben sie mit Kühen, Pferden, Katzen, Hunden, Schweinen, 50 Hühnern, acht Enten, vier Gänsen und zwei Dutzend Kaninchen.

Viele der Tiere haben sie aus Zuchtanlagen und Legebatterien befreit oder Versuchslaboren abgekauft. Anfangs mussten sie die schreckhaften Hühner noch bei jedem Schritt begleiten. Sie waren zwar an Menschen gewöhnt, Wind und Regen aber waren ihnen fremd. Die Enten mussten erst schwimmen lernen, sie kannten kein Wasser. Und auch Manuela, eine Kuh aus dem Versuchslabor einer Universität, hatte vier Jahre lang nur gekachelte Räume gesehen.

Mastercard, Zwergenmann, Gisela, Herr und Frau Karger – alle Tiere bekommen einen Namen. Aus zwei von Millionen Mastschweinen werden Else und Erna. Beide groß wie Badewannen, beide mit einer Rippe mehr, als die Natur es vorgesehen hat – hinzugezüchtet für die Fleischtheke im Supermarkt. Nur bei den vielen Hühnern muss es mit dem Namen einfacher gehen: Die Weißen heißen alle Bärbel, die Rotbraunen Elvira.

Nur das eine mit der besonders tiefen Stimme haben sie Frau Klemm genannt, nach der kettenrauchenden Staatsanwältin aus dem Münsteraner Tatort. Mehr über Klemm & Co. auf www.stiftung-fuer-tierschutz.de


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