Kolumne

Jo

Ja, es ist wirklich wahr, dass es bei uns im Norden eine Art Geheimsprache gibt ...
Jo

Ja, es ist wirklich wahr, dass es bei uns im Norden eine Art Geheimsprache gibt, die jeder Deutsche zu kennen meint, aber niemand wirklich versteht. Darunter ist ein wunderbar einsilbiger Ausdruck, der unter Einheimischen als vollständiger Satz gilt und meist dahingemurmelt wird: „Jo.“ Was einfach klingt, ist eine wichtige Redensart, die universell einsetzbar ist und von „ja“ bis „dieses Gespräch ist hiermit beendet und ich möchte nie wieder über dieses Thema sprechen“ alles bedeuten kann. Die richtige Verwendung des „Jo“ braucht allerdings etwas Übung. Für Anfänger sei erwähnt: Ein gehörtes „Jo“ bedeutet in jedem Fall, dass das Gesagte beim Gegenüber angekommen ist. Folgt dem „Jo“ ein „Und selbst?“ darf das Gespräch als noch laufend betrachtet werden. Fortgeschrittene antworten hier übrigens ihrerseits mit einem „Jo“, begleitet von einem leichten, kaum merklichen Kopfnicken. Alle LeserInnen dieser Kolumne wissen natürlich, was ich meine.

Und „jo“, es stimmt auch, dass bis heute viele glauben, dass weite Teile des Nordens einzig und allein bevölkert sind von distanzierten und überwiegend humorbefreiten Menschen, die so gut schweigen können, dass es wie reden ist. Und wenn sie dann doch mal den Mund aufmachen, verständigen sich die kauzigen KüstenbewohnerInnen ausschließlich mit auffallend gemächlich gesprochenen Worten, die sich aus langgezogenen Vokalen und breitgetretenen Konsonanten zusammensetzen. So, wie alle Kölner immer lustig sind, alle Schwaben geizig und es immer noch Besserwessis und Jammerossis geben soll, sind die Nordlichter allesamt mundfaule, unterkühlte und eher stillhumorige Krabbenschubser. Dabei kennen wir Norddeutsche nicht nur ein Gefühl der schlechten Laune. Da gibt es feine Unterschiede: Das geht von gnaddelig über muffeligund knatschig bis hin zu mucksch.

Irgendwann ist das Norddeutsche dann auch irre populär geworden. Seither meint jeder schnacken und vor allem richtig betonen zu können. Das A in Richtung O gewunden, das E unendlich in die Längeeeeee gezogen. Das CK wird zu einem weichen G gemacht, das G am Ende eines Wortes dagegen zum CH. Und das Doppel-T hier und da zum D. Und dann wird aus der „Frage“ die „Frooogeeeee“. Und aus „Mittag“ und „Mutter“ werden „Middach“ und „Mudda“. Und auf einmal sprechen Menschen, die aus Stuttgart, Hannover oder Köln nach Hamburg oder Kiel gezogen sind, extrem verlangsamt und beginnen Sätze mit „Ich sachmaa sooo …“ Denn: „Watt mutt, datt mutt!“ Und: „Nu abba ma Budda bei die Fischeee!!“ Oder natürlich und vor allem: „Nich lang schnaggn, Kopp in Naggn!!!“ Na denn man tau.

Weiterlesen