Von Bucht zu Bucht

Gedruckter Road-Movie über Inklusion

Vor drei Jahren brachen zwei junge Kieler zu einem unmöglichen Abenteuer nach Australien auf. Manuel hat das Down-Syndrom, sein Begleiter Julius lässt die acht unmöglichen Wochen mit dem Rucksack jetzt in einem Buch Revue passieren.
Gedruckter Road-Movie über Inklusion

Vor drei Jahren brachen zwei junge Kieler zu einem unmöglichen Abenteuer nach Australien auf. Manuel hat das Down-Syndrom, sein Begleiter Julius lässt die acht unmöglichen Wochen mit dem Rucksack jetzt in einem Buch Revue passieren.  

Menschen mit Down-Syndrom oder offiziell „Trisomie 21“ haben diverse Handicaps. Ihr Körperbau ist gedrungen, sie leiden häufig unter Herz- und Hörfehlern, ihre Zunge ist vergrößert, weshalb sie meistens unverständlich sprechen. Es gehört zu den besonderen Leistungen, dass Julius Werner seinem Freund und Schützling Manuel Zube auf 176 Seiten eine Stimme gegeben hat. Es sind oft urkomische und dann plötzlich wieder bewegende Dialoge, die die beiden jungen Männer aus Kiel in Melbourne, im Outback und am Great Barrier Reef über sich, ihre Freundschaft und das Leben an sich führen.

Manuel Zube (links) und Julius Werner: Besuch auf einer Farm im Outback.

„Manni sucht das Weite“ ist einerseits ein Buch gewordenes Road Movie, andererseits aber auch ein Ratgeber, der viele Fragen zum Thema Inklusion und Trisomie 21 abhandelt, und zu guter Letzt  ein Mutmacher für Betroffene und ihre Familien. Julius Werner ist Sozialarbeiter und lernte Manuel Zube in einem Sportkurs der Kieler Werkstätten am Drachensee kennen. Der Verwirklichung ihres verrückten Plans gingen lange Verhandlungen mit Mannis Eltern voraus. Und die Reise selbst erwies sich als vertracktes Durchhaltemanöver, bei dem jeder der beiden kurz vor der Aufgabe stand.

Sie hielten durch, und so kann sich der Leser nun das volle Programm reichlich durchgeknallter Abenteuer aus Down Under zu Gemüte führen: Die „Pommes-Krise“ eskaliert, weil Manuel in Abwesenheit seiner Mutter zu fettig isst und sichtlich zunimmt. Auf der Karaoke-Bühne vergisst er den Text von 99 Luftballons. Es stellt sich auch heraus, dass Manni ein Mann der Maschinen ist, während er der Tierwelt des fünften Kontinents doch überaus reserviert begegnet.

Das Buch arbeitet auch heraus, dass Australien bei der Inklusion schon um Einiges weiter ist als Deutschland. Nicht zuletzt deshalb hat Sandra Maischberger sich für das Thema interessiert und mit ihrer Produktionsfirma eine Arte-Dokumentation über die Reise von Manuel und Julius gedreht. Von ihr stamm auch das Vorwort zu dem Buch, das Julius Werner von der Kieler Designerin Wiebke Christophersen liebevoll gestalten ließ und jetzt im Selbstverlag veröffentlichte. 

„Manni sucht das Weite“ kostet 16,95 € und ist unter anderem bei Amazon sowie den Kieler Buchhandlungen Liesegang und Hugendubel erhältlich.     

Titelbild: Manuel Zube (links) und Julius Werner im Luxuszug „The Ghan“

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