Kolumne

Eine tragende Rolle: Mein Hut

Ich habe mir vor einiger Zeit einen Hut gekauft – den allerersten meines Lebens.
Eine tragende Rolle: Mein Hut

Er ist aus Papier, das wie Stroh aussieht. Made in China. Vorher war ich nie so der Huttyp gewesen. Keine Ahnung, woran das gelegen hatte. Und ich weiß auch heute noch nicht, ob ich es wirklich bin, ein Hutträger. 

Ein Hut war für mich immer der Ausdruck eines gewissen Alters gewesen, was natürlich Quatsch ist, da alle Menschen – jeden Alters, jeder Hautfarbe und alle Geschlechter – schon immer Hüte getragen haben und auch immer tragen werden. Sogar kleinste Kinder bekommen nicht selten Kopfbedeckungen aller Art aufgesetzt und können sich damit anfreunden. Aber ich? Ich habe kein Hutgesicht, dachte ich immer. Mein Kopf hat nicht die richtige Form für einen Hut. Und was für einen eigentlich? Es gibt doch so viele! 

Nun aber, das wissen Sie ja schon, habe ich mir tatsächlich diesen Hut gekauft. Schließlich waren ja auch gerade lange Ferien. Und ich dachte, warum jetzt nicht mal einen Ferienhut. Es war ja auch sehr heiß in den letzten Wochen. Da muss man sich doch auch mal gegen die Sonne schützen. Und mit einem Hut geht das gut, dachte ich. Hat geklappt! Fast jeden Tag trage ich ihn nun.

Was mir seither übrigens auch aufgefallen ist: Es gibt wirklich viele – nein, sehr viele – Songs, in denen Hüte eine tragende Rolle spielen. Allen voran natürlich bei Udo, der in seinem gleichnamigen Song aus dem Jahr 2007 singt: „Vor dir zieh' ich meinen Hut. De-de-de-de-de-de-de-de-de-de. Vor dir zieh' ich meinen Hut.“ Cool! Und was singt Udo noch: „Doch du warst immer bei mir irgendwie. Wie 'ne superstarke Melodie. Die mich packte und nach Hause trug. Und du warst da, wenn ich am Boden lag. Und ganz egal, was ich auch tat. Du hast mich niemals ausgebuht.“ Meint er den Hut?

Und ja, auch Tom Jones darf in Sachen Texten mit Hut natürlich und vor allem nicht vergessen werden, auch wenn er bei uns in Hamburg nicht halb so bekannt ist wie Udo Lindenberg. Aber Jones singt: „Baby, take off your coat, real slow. Baby, take off your shoes. I'll help you take off your shoes. Baby, take off your dress. Yes, yes, yes.“ Puh, hot! Ist halt einer dieser ultimativen Striptease-Songs – aber dann kommt‘s ja: „You can leave your hat on. You can leave your hat on. You can leave your hat on.“ Okay, Tom, mach‘ ich!

Oliver Lück ist Buchautor und Journalist. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. www.lueckundlocke.de

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