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DEL-Saisonstart in Gefahr: Es fehlen 60 Millionen Euro

Niemand weiß, wann Zuschauer bei Sportveranstaltungen wieder zugelassen sein werden.
DEL-Saisonstart in Gefahr: Es fehlen 60 Millionen Euro

248 Tage ohne Pflichtspiel werden vergangen sein, wenn die Fischtown Pinguins Bremerhaven am 11. November den MagentaSport Cup in der eigenen Halle eröffnen.

Insgesamt acht Clubs aus der DEL spielen in Turnierform um den Pokal. Die Vorfreude vor dem „Restart“ ist allerdings verhalten. Christian Hilbrich, der Stürmer der Pinguins, sagt gegenüber der Eishockey News zwar: „Aufgrund der langen Pause gibt es in unserer Umkleidekabine viel Begeisterung, das Trikot wieder anzuziehen.“ Gleichwohl graut es ihm davor, die Spiele vor leeren Rängen austragen zu müssen: „Es wird sicherlich nicht die angenehmste Erfahrung als Spieler sein. Für mich persönlich brauche ich die Energie der Fans. In Bremerhaven jubeln mir alle zu und beispielsweise in Straubing spiele ich härter, um alle Fans zum Schweigen zu bringen. Je mehr Fans es gibt, desto aufregender kann ein Spiel sein.“

Niemand weiß, wann Zuschauer bei Sportveranstaltungen wieder zugelassen sein werden. Für den kompletten November ist dies untersagt. Und wie geht es danach weiter? Eine Verlängerung des Zuschauerverbots erscheint angesichts der hohen Infektionszahlen zumindest nicht unwahrscheinlich. Bei der Deutsche Eishockey Liga (DEL) sorgt dies für Verunsicherung. Nach Beendigung des MagentaSport Cups sollte die DEL-Saison 2020/21 starten. Der 18. Dezember wird als Saisonstart angepeilt, ist aber keineswegs sicher. Am 19. November wollen sich die 14 Clubs der DEL im Rahmen einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung besprechen. Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Liga, sagt: „An dem Tag werden die Clubs gemeinsam entscheiden, ob wie zuletzt geplant in der zweiten Dezemberhälfte und mit wie vielen Clubs wir in die Saison starten können. Zudem soll ein Modus festgelegt werden.“

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Das Problem sind die ausbleibenden Zuschauereinnahmen, die normalerweise einen Großteil des Umsatzes ausmachen. Daniel Hopp, der für die Adler Mannheim verantwortlich ist und zudem im Liga-Aufsichtsrat sitzt, erklärt die Problematik: „Wenn sich der Etat einer Mannschaft – wie bei uns in Mannheim – zur Hälfte und darüber hinaus aus Zuschauereinnahmen zusammensetzt und diese nicht ausreichend vorhanden sind, kann man sich vorstellen, wie groß die Finanzierungslücke ist.“ Um das einmal in Zahlen auszudrücken: Den 14 Clubs der DEL fehlen laut eigener Berechnung für einen „verantwortungsvollen Saisonstart“ rund 60 Millionen Euro.

Andere Sportligen stehen vor ähnlichen Problemen – und spielen trotzdem. Die Handball-Bundesliga startete bereits am 1. Oktober in die Saison, spielte teilweise mit einer geringeren Zuschauerkapazität, muss nun aber ebenfalls vor leeren Tribünen auflaufen. Die Basketball-Bundesliga eröffnet nun ebenfalls die Spielzeit 2020/21. Eishockey unterscheidet sich von diesen beiden Sportarten allerdings durch die Kadergröße. Eine professionelle Basketball-Mannschaft besteht etwa aus 13 Profis, eine Handball-Mannschaft etwa aus 15. Der Kader der Fischtown Pinguins Bremerhaven hingegen beinhaltet beispielsweise 22 Profis. Weil sich die Gehälter in den genannten drei Sportarten in ähnlichen Dimensionen bewegen, ist der Spiel- und Trainingsbetrieb einer Eishockey-Mannschaft deutlich teurer. Heißt also: Wegfallende Zuschauereinnahmen fallen mehr ins Gewicht.

Eine kleine Unterstützung kommt vom Staat. Aus dem 200 Millionen Euro Hilfspaket der Bundesregierung sollen bis zu 80 Prozent der fehlenden Ticketerlöse, maximal jedoch 800.000 Euro pro Club, erstattet werden. Laut dem SID haben 13 DEL-Clubs, also alle bis auf Red Bull München, die Zuschüsse beantragt. Vier Clubs sollen die Bewilligung bereits erhalten haben. Die übrigen Anträge befinden sich noch in der Bearbeitung. Allerdings sind die Bedingungen so streng, dass vielleicht nicht alle Vereine in den Genuss der Auszahlung kommen werden. Und selbst wenn das Geld kommt, macht dieses je nach Club lediglich einen kleinen Teil der sonstigen Zuschauereinnahmen aus.

Während die Zukunft der höchsten deutschen Spielklasse also ungewiss ist, wird in der stärksten Liga von Dänemark bereits gespielt. In der Metal Ligaen, so der Name der höchsten dänischen Spielklasse, haben die Teams bereits bis zu 14 Saisonspiele absolviert. Am 11. November finden die nächsten Begegnungen statt. SonderjyskE Ishockey, der in der süddänischen Kleinstadt Vojens (in der Haderslev Kommune) beheimatet ist und dadurch auch in Deutschland Fans hat, befindet sich derzeit auf einem ordentlichen fünften Tabellenplatz.

Sollte sich der Saisonstart der DEL also weiter verzögern, lohnt sich für Eishockey-Fans vielleicht ein Blick über die dänische Grenze.


Artikelbild: Torwart Patrick Galbraith (31) von SonderjyskE Ishockey im Metal Ligaen Eishockeyspiel gegen die Frederikshavn White Hawks. © imago images / Gonzales Photo

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